Publiziert am: 19.05.2026

Vom digitalen Meldewesen zur vernetzten Gästekarte

GlarnerlandPass

Visit Glarnerland hat das Meldewesen vereinfacht, Abläufe automatisiert und eine digitale Gästekarte lanciert. Das Resultat? Eine funktionierende Systemlandschaft statt einer isolierten Einzellösung. Das Projekt liefert praktikable Learnings für Destinationen mit ähnlichen Ambitionen.

Auf einen Blick

  • Visit Glarnerland hat Meldewesen, Gästetaxen und Gästekarte digital vernetzt.
  • Aus manuellen Abläufen entstand eine funktionierende Systemlandschaft.
  • Der Self Check-in bildet den Einstiegspunkt für sauber erfasste Gästedaten.
  • Der GlarnerlandPass mit der Reisebegleiter-App macht die Region digital erlebbar.
  • Über 17’000 App-Downloads und 60’000 ÖV-Nutzungen zeigen den Praxisnutzen.
  • Das Projekt liefert wertvolle Learnings für andere Destinationen.
Ausgangslage

Was wollte Visit Glarnerland erreichen?

Visit Glarnerland (VGL) ist die kantonale Tourismusorganisation und treibt die Umsetzung der Tourismusstrategie Glarus voran. Ausgangslage war eine fragmentierte Systemlandschaft mit hohem manuellem Aufwand – insbesondere im Meldewesen und beim Einzug der Gästetaxen durch die Gemeinden.

Gleichzeitig fehlten intern Know-how und Ressourcen, um ein komplexes Digitalisierungsprojekt eigenständig zu planen und umzusetzen.

Das Projekt umfasste drei Teilbereiche:

  • Digitalisierung des behördlichen Meldewesens
  • Vereinfachung des Gästetaxen-Einzugs
  • Einführung eines digitalen Gästekartensystems mit Reisebegleiter-App

Übergeordnetes Ziel war eine umfassende digitale Transformation:

  • Prozesse und Meldewesen digitalisieren
  • Digitale Gästekarte einführen
  • Kundendaten in einem zentralen CRM sammeln
  • Lokale Leistungsträger besser einbinden
  • Grundlage für Marketing-Automation schaffen

Die Vision dahinter: Ein digitaler Erlebnispass als Begleiter für Gäste und Einheimische, der relevante, touristische Angebote sichtbar macht und die Wertschöpfung im Kanton stärkt.

Hürden, Lösung, Wirkung

Wo lagen die grössten Hürden im Projekt?

Zwischen Idee und Umsetzung lagen rund 3¾ Jahre. Der lange Zeitraum ist kein Einzelfall bei kantonalen Projekten – und erklärt sich durch mehrere Faktoren:

  • Politische Rahmenbedingungen
  • Finanzierung eines ambitionierten Projekts
  • Technische Abhängigkeiten
  • Ressourcen auf Kundenseite

Diese Punkte zeigen: Digitalisierung scheitert selten an der Idee – sondern an Rahmenbedingungen, die früh berücksichtigt werden müssen. Von den gesetzten Zielen wurden ein zentrales CRM und der in der App integrierte Buchungsprozess für lokale Leistungen bislang nicht umgesetzt.

Was wurde konkret umgesetzt?

1. Digitales Meldewesen mit Self Check-in
Gäste erfassen ihre Daten vor Anreise über ein webbasiertes Formular im Design von Visit Glarnerland. Die Daten fliessen direkt ins Meldesystem und reduzieren den administrativen Aufwand. Bei Hotels erfolgt die Übermittlung in der Regel über bestehende PMS-Systeme und entsprechende Schnittstellen.

2. Automatisierter Gästetaxen-Prozess
Die Abwicklung von Meldewesen und Gästetaxen zwischen Betrieben, Gemeinden und Tourismusorganisation wurde digitalisiert und über Schnittstellen vernetzt. Über eine Anbindung können Betriebe ihre HESTA- und PASTA-Daten neu direkt an die Bundesstatistik übermitteln. Das reduziert Doppelerfassungen und vereinfacht administrative Abläufe.

3. Digitaler GlarnerlandPass inklusive App
Gästekarten werden automatisch aus dem Meldesystem erstellt und digital bereitgestellt – in der App oder per E-Mail. Die App bündelt Gästekarte, Reiseinformationen, Eventkalender und kostenlose ÖV-Nutzung für Übernachtungsgäste. Mit dem Community Pass profitieren auch Einheimische und weitere Interessierte von den digitalen Angeboten.

Die Stärke liegt im Zusammenspiel.
Der Self Check-in ist der Einstiegspunkt, das Meldewesen die Grundlage, der GlarnerlandPass das sichtbare Produkt für den Gast. Im Hintergrund greifen die Systeme ineinander: Daten werden einmal erfasst und mehrfach genutzt – für Behörden, Abrechnung und Gästeerlebnis.

Welche Wirkung zeigt das Projekt heute?

Trotz der langen Projektdauer gilt der GlarnerlandPass heute als Vorzeigeprojekt im Schweizer Tourismus. Entscheidend ist das funktionierende Zusammenspiel der Systeme im Alltag.

Administrative Prozesse im Meldewesen und beim Einzug der Gästetaxen wurden deutlich vereinfacht. Gleichzeitig ist eine belastbare Datenbasis entstanden. Auch organisatorisch ist das Thema verankert – mit einer eigenen Projektleitungsstelle für die Weiterentwicklung.

Die Nutzung per Mai 2026 zeigt die Relevanz im Alltag:

  • über 17’000 App-Downloads
  • 5’000 registrierte App-Nutzende (Community Pass)
  • über 60’000 ÖV-Nutzungen über den Pass (5’500 ÖV und 55’000 Standseilbahn)
  • über 100 integrierte Angebote von regionalen Leistungsträgern
  • +70% alle Unterkünfte nutzen bereits das digitale Meldewesen

Damit ist die Grundlage gelegt, um die Digitalisierung im Glarnerland schrittweise weiter auszubauen.

Vize-Geschäftsführerin & Projekte von Visit Glarnerland

Sandra Green

Mit dem GlarnerlandPass schaffen wir die digitale Basis für die Zukunft des Tourismus im Glarnerland. Statt vieler einzelner Anwendungen entsteht eine zentrale App, die Angebote, Informationen und Dienstleistungen intelligent miteinander verbindet.

Ausblick

So geht die digitale Reise weiter

Das Projekt GlarnerlandPass ist bewusst nicht abgeschlossen, sondern als Basis angelegt. Die Digitalisierung im Glarnerland wird durch die geschaffene Stelle bei Visit Glarnerland weiter vorangetrieben. Die nächsten Schritte erfolgen iterativ:
  • Ausbau bestehender Funktionen
  • Integration weiterer Leistungsträger
  • Intensivierung der Kommunikation und Skalierung der App
Stehen ähnliche Projekte an?

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Sandra im Gespräch

Drei Fragen, drei ehrliche Antworten.

Was war rückblickend entscheidend, damit ein so komplexes Projekt erfolgreich umgesetzt werden konnte?

Pragmatisch vorwärts machen und sich nicht in Details verlieren oder alles perfekt machen zu wollen, war für mich entscheidend. Sich auf wesentliche Punkte fokussieren und schrittweise umsetzen, Mut zur Lücke haben, nicht alles direkt umzusetzen und auf Module zu verzichten, die so im Moment keinen Sinn machen oder keinen Raum haben. Und: Immer das Ziel im Fokus behalten.

Wie habt ihr die Zusammenarbeit mit der TSO erlebt? Was hat euch die Unterstützung konkret gebracht?

TSO war für uns ein guter Sparringspartner. Dank der TSO wurde meine Stelle geschaffen und ich konnte den Überblick über alle Systeme und Systemlandschaften behalten. TSO kennt viele Akteure, was ein grosser Vorteil war. Auch die Zusammenführung unserer Tools mit discover.swiss war sehr wertvoll.

Welche konkreten Verbesserungen zeigen sich seit der Einführung des GlarnerlandPass im operativen Alltag?

Mit der Gästekarte können wir den Gästen etwas zurückgeben; das stösst auf Freude. Dank der Vernetzung und grosser Nachfrage seitens Gäste entsteht der Vorteil, dass Unterkünfte entdeckt und integriert werden, die bisher noch nicht gemeldet waren. Auch die Datenqualität im Meldewesen hat sich deutlich verbessert, bei den Statistiken und somit auch bei den Gästetaxen-Zahlen.

Was können andere Destinationen daraus mitnehmen?

1. Ambition ist wichtig – Fokus noch wichtiger

  • Nicht alle Ziele müssen sofort erreicht werden
  • Beispiel: CRM und integrierte Buchung wurden bewusst zurückgestellt

2. Systemlandschaften früh denken

  • Schnittstellen sind oft die grösste Hürde
  • Abhängigkeiten zu Drittsystemen realistisch einschätzen

3. Organisation ist entscheidend

  • Digitalisierung braucht interne Verantwortung
  • Neue Rollen sind oft notwendig

4. Projekte dauern länger als geplant

  • Politische und strukturelle Faktoren einrechnen
  • Geduld ist Teil der Strategie

5. Schrittweise Umsetzung erhöht Erfolgschancen

  • Kleine, funktionierende Lösungen sind wertvoller als grosse Visionen ohne Umsetzung